Zuständigkeit unklar
Der Vorgang liegt auf einem Tisch, ohne Namen. Ein Eingangsstempel, zwei Kürzel am Rand, eins davon durchgestrichen. Im System steht „in Klärung“, als wäre Klärung ein Ort.
Eine E-Mail wurde weitergeleitet, ohne Kommentar. Später noch einmal, mit einem anderen Betreff. Zuständigkeit wandert dabei nicht, sie verdünnt sich. Jede Weiterleitung nimmt ein Stück Festigkeit mit, bis nur noch Bewegung übrig bleibt.
Am Telefon wird eine Abteilung genannt, dann eine Person, dann ein „eigentlich“. Sätze enden in Passivformen. „Ist nicht bei uns“, „gehört eher“, „müsste man sehen“. Der Kalender füllt sich, der Fall nicht.
Eine Rückfrage trifft ein, wird beantwortet, erzeugt eine neue Rückfrage. Das Wort „Schnittstelle“ fällt, als könnte ein Rand tragen. Niemand lehnt ab. Niemand übernimmt. Die Verantwortung bleibt im Umlauf, sauber, höflich, ungreifbar.
Im Protokollfeld steht zuletzt: „Bitte Zuordnung prüfen.“ Darunter kein Häkchen. Kein nächster Schritt, nur ein weiterer Verweis, der schon beim Schreiben von sich wegzeigt.